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Plagiate aus der ganzen Welt

Gerade wurde der Negativpreis Plagiarius auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente verliehen. „Preisträger“: besonders dreiste Plagiate.
1. Preis: Universal-Werkbank 1500-SPA, Original: WPO Objekt-und Fachraumeinrichtungen GmbH, Illertissen, Plagiat: FAMOS GmbH & Co. KG, Neu-Ulm. Fotos: Aktion Plagiarius e.V.
Bereits seit 1977 werden mit dem Plagiarius jährlich Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate „ausgezeichnet“. Damals erklärte der Designer Prof. Rido Busse die Intention seines Negativpreises: „Die Auszeichnung mit dem Plagiarius sagt nichts darüber aus, ob das jeweilige Plagiat im juristischen Sinne erlaubt ist oder nicht. Der Plagiarius kann und darf kein Recht sprechen. Unser Ziel ist es, plumpen Ideenklau – d. h. den Diebstahl geistigen Eigentums – zu brandmarken und die skrupellosen Geschäftspraktiken der Nachahmer ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.“

 

Markenpiraterie

In Zeiten von Internet und Globalisierung hat sich das Problem der Produkt- und Markenpiraterie explosionsartig ausgeweitet und verursacht immense wirtschaftliche Schäden. Die Fälscher agieren dabei immer professioneller und rücksichtsloser.

 

Gier und andere Geier

Aus Profitgier verwenden sie oftmals minderwertige Materialien, verzichten auf Qualitätskontrollen und setzen die Gesundheit der Verbraucher aufs Spiel. Nachweislich enthalten viele Nachahmungen giftige Schadstoffe wie Blei oder Cadmium. Gefälschte Kosmetika, Lebensmittel, Medikamente und Zigaretten sind oftmals verunreinigt. Bei technischen oder elektrischen Produkten können Mängel sogar lebensgefährlich sein.

 

Immenser Schaden

Der genaue volkswirtschaftliche Schaden durch Produkt- und Markenpiraterie lässt sich nur schwer beziffern. Experten gehen aber mittlerweile von einem jährlichen Schaden von bis zu 50 Milliarden Euro für Deutschland aus.

 

Auch die Statistiken vom deutschen Zoll bestätigen den enormen Zuwachs des Problems. Mehr als 80 % der in 2010 festgehaltenen Produkte hatten ihren Ursprung in Asien und dem vorderasiatischen Raum. Neu ist, dass ca. 56 % aller aufgegriffenen Artikel aus Thailand kamen und somit China als langjähriger Spitzenreiter nur noch auf Platz 2 rangiert.

 

China nur ein Teilproblem

Berücksichtigt man die gesamte Wertschöpfungskette, so wird deutlich, dass China ohnehin nur ein Teil des Problems ist. Hergestellt werden Nachahmungen zwar überwiegend in Südostasien, Lateinamerika, Osteuropa oder der Türkei.

 

Die Industrieländer selbst sind aber häufig die Auftraggeber der Kopien – oder sie kaufen diese billig ein, um sie hier vor Ort gewinnbringend weiter zu verkaufen. Geld wird also gleichermaßen hier mit Plagiaten verdient – das bestätigen auch die aktuellen Plagiarius-Preisträger.

 

Info

Die Jury vergab drei Preise, sechs gleichrangige Auszeichnungen und einen Sonderpreis. Alle hier abgebildeten Fotos zeigen jeweils links bzw. oben das Original und rechts bzw. unten das Plagiat.
Galerie zu diesem Artikel
Waschtisch-Armatur Hansgrohe Focus S, Original: Hansgrohe AG, Schiltach, Plagiat: Joyou Group Building Materials Co. Ltd., Fujian, VR China
HOPPE-Secustik®-Fenstergriff Atlanta, Original: HOPPE AG, Stadtallendorf, Plagiat: Shenzhen. Guro Windows & Doors Hardware Co. Ltd., Guangdong, VR China.
Einsteckschloss für Innentüren (Art.-Nr. 1246000), Original: Schulte-Schlagbaum AG, Velbert, Plagiat: Abson A/S, Ikast, Dänemark

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