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Achtung: Dach-Haie unterwegs

Trotz intensiver Aufklärungsarbeit der vergangenen Jahre fallen leider immer noch viele Hausbesitzer auf die unlauteren Machenschaften der Dach- und Fassadenhaie herein. Das Geschäft läuft immer nach der gleichen Masche ab: Die Klingel geht, ein freundlicher Herr steht vor der Haustür und verwickelt den Hausbesitzer in ein Gespräch über die mal mehr, mal weniger renovierungsbedürftige Fassade oder das kaputte Dach.

Einen solchen Fall schildert auch die Seniorenberaterin B. Schuhmacher von der Firma Aktiv Älter Seniorendienste in Hannover:

 

In einer kleinen Reihenhaussiedlung in Hannovers Südstadt. Das Haus des Ehepaares S. hebt sich von den Häusern der Nachbarschaft ab. Fehlende Fahrräder im Vorgarten, schmiedeeiserne Gitter und dichter Efeubewuchs lassen vermuten: hier wohnen ältere Menschen.

 

Vormittags klingeln zwei Dachdecker an der Haustür. Sie hätten in der Nähe zu tun gehabt. Dabei sei ihr Blick auf das Dach des Ehepaares gefallen. Sie hätten einen Schaden erkannt und fragen höflich an, ob sie das Dach kontrollieren sollen.

 

Sie informieren den 87 Jahre alten Hausbesitzer über kleinere Schäden. Die Reparatur sei nicht so teuer, zeitnah zu erledigen. Bitte unterschreiben Sie doch unseren Kostenvoranschlag. Wir melden heute telefonisch, wann die Reparatur beginnen kann.

 

Der Pflegedienst der Diakonie und die mobile Seniorenberatung, die zufällig an diesem Tage bei dem Ehepaar einen Termin hatten, decken die Machenschaften einer Firma D. auf, die ihren Sitz in Winnenden hat. Eine Niederlassung in Hannover ist nur mit einer Telefonnummer in den Unterlagen genannt.

 

Das Ehepaar berichtet eher zufällig von den netten Dachdeckern. Die Seniorenberaterin lässt sich den Kostenvoranschlag zeigen. Dieser Kostenvoranschlag ist in Wirklichkeit ein Bauvertrag. Als Beleg bleibt ein dünner Durchschlag eines handschriftlich  ausgefüllten Formulars zurück, die handschriftlichen Vermerke sind kaum lesbar. Die Leistungsbeschreibung: umfangreich, unstrukturiert und nicht zu kontrollieren.

 

Deutlicher treten die eigentlichen „Haken“ hervor: Gesamtpreis 16.400 Euro, der vereinbarte Preis ist ein Festpreis. Abschlagszahlung bei Gerüstaufstellung 8.200 Euro. Die Rechnungen werden lediglich pauschal gestellt, nicht detailliert. Darunter die Unterschrift des Hausbesitzers.

 

Das Telefon klingelt. Dachdecker Markus D. am Telefon mit guten Nachrichten: Morgen wird das Gerüst aufgebaut. Und damit wäre die Zahlung von 8.200 Euro fällig gewesen (und für diesen Teil zumindest wäre die gesetzliche Widerrufsfrist von 14 Tagen ausgehebelt worden).

 

Die Seniorenberaterin widerruft den Bauvertrag mündlich, das Gerüst wird nicht aufgebaut. Der schriftliche Widerruf wird sofort verfasst und abgeschickt. Ein beauftragter Dachdeckermeister und Sachverständiger für Bauschadenbewertung im Dachdeckerhandwerk aus Hannover, der am nächsten Tag die vermeintlich „lebensgefährliche Dachsituation“ kontrolliert, stellt fest: Das Dach ist in bestem Zustand und kann so noch gute 50 Jahre bestehen. Familie S. hat noch mal Glück gehabt.

 

Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks warnt davor, sich auf Geschäfte mit diesen unseriösen Betrieben einzulassen. Ulrike Heuberger, die Pressesprecherin des Verbandes erklärt: „Insbesondere ältere Hausbesitzer in Wohngebieten mit Ein- oder Zwei-Familienhäusern werden von den Dach- und Fassadenhaien gern über den Tisch gezogen. Seien Sie vorsichtig, wenn ein Mitarbeiter unangekündigt vor der Haustür steht, darauf hinweist, er habe gerade in der Nachbarschaft zu tun gehabt und einen kleineren Schaden auf Ihrem Dach entdeckt, den er gleich preiswert reparieren könne.“ Weitere Alarmzeichen seien auswärtige Firmen, fehlende Fahrzeugbeschriftungen, keine Festnetztelefonnummer. Billige Angebote bei der Dach- und Fassadenrenovierung sind in Wirklichkeit meist überteuert. Viele der von den unseriösen Betrieben bearbeiteten Flächen müssen, um tatsächlich irreparable Schäden für die Zukunft zu vermeiden, wieder abgerissen und völlig neu aufgebaut werden. Das Argument „Kostenersparnis" entpuppt sich als teure Kostenfalle.
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