
Umbau / Ausbau
Komplettsanierung
Ländliches Idyll trifft modernes Design
Ein Haus in traumhafter Lage und mit unverbaubarem, wunderbaren Ausblick suchte im
Frühjahr 2008 einen Käufer. Doch die ungünstige Aufteilung und das Alter des Objektes ließen zu wünschen übrig. Abreißen und neu bauen oder Komplettsanierung, das war hier die Frage.
Eine Bestandausaufnahme ergab: Die Bausubstanz stammte aus den 70er Jahren mit 36,5 cm dickem Mauerwerk. Alte Holzfenster und eine ebenfalls veraltete Heiztechnik entsprachen nicht mehr den aktuellen Standards und verursachten hohe Energiekosten. Der Vollkeller mit einer Sohle ca. 3 m unter der Erde hatte eine defekte Außenabdichtung. Auch das Satteldach war mangelhaft.
Was jedoch besonders auffallend war: Die monumentale Südfassade hatte keine Fenster.
Die Käufer standen nun vor der Frage, ob sie das Haus komplett abreißen oder sanieren wollten. Welche Lösung konnte wirtschaftlich sein und gleichzeitig noch dem optischen Anspruch der Bauherren genügen?
Das Planungsbüro Isernhagen entwickelte gemeinsam mit den Eigentümern ein Konzept, welches die Vorstellungen der Bauherren mit dem konstruktiv „Machbaren“ und moderner Architektur im Bauhausstil verband.
Daraus entstand die Idee, das Obergeschoss komplett bis auf die Rohdecke des Erdgeschosses abzutragen, zu entsorgen und einen Baukörper mit leicht geneigtem Flachdach aufzusetzen — natürlich unter Einhaltung der Gesetze und Bauvorschriften. Damit konnte das Maximum an Wohnfläche geschaffen werden.
Zudem sollten zwei wunderschöne Dachterrassen Richtung Osten und Süden entstehen.
Verhandlungen, Planungen, Genehmigungen, Ausschreibungen, Auswertungen, Vergaben und viele Gespräche zwischen Bauherren und dem Planungsbüro Isernhagen folgten.
Dann, im November 2008, fiel der Startsschuss für das ehrgeizige Projekt.
Vor allen anderen Maßnahmen war die Kellerabdichtung erforderlich. Innerhalb von vier Wochen sollte der Keller abgedichtet, gedämmt und wieder verfüllt sein. „Der Winter stand vor der Tür und bei Frost ist die fachgerechte Abdichtung des Kellers nicht möglich“, erinnert sich Dipl.-Ing. Bau Stefan Boltes. Verzögerungen bei den Arbeiten hätten einen verspäteten Start der anderen Gewerke zur Folge gehabt. Das hätte aber keineswegs in die engen Zeitvorgaben der Bauherren gepasst, die den Einzug für April 2009 geplant hatten.
Eine weitere Herausforderung: die schmale Zufahrt zum Garten und Zugänglichkeit nur von einer Seite des Grundstücks. Das erforderte logistische und planerische Höchstleistungen, damit die Arbeiten reibungslos ineinander greifen konnten. Bei den Ausschachtungsarbeiten erneuerten die Handwerker die Abflussleitungen und den Anschluss an die Kanalisation, um auch hier auf dem aktuellen Stand der Technik zu sein und Langlebigkeit zu garantieren. Gas, Wasser und Strom wurden von den Versorgern geprüft und teilweise der Anschluss in das Gebäude erneuert.
Die Kellertreppe auf der Ostseite konnte im Zuge der Erdarbeiten gemäß den Wünschen der Eigentümer erneuert und mit einer funktionellen Entwässerung eingeplant werden. Um die Abdichtung zu optimieren, wurde aufgrund eines Bodengutachtens eine Teildrainage geplant. Sie führt das in Teilbereichen anstehende Wasser aus der Hanglage auf der Nordseite ab. Der sandige Boden garantiert ansonsten einen problemlosen Ablauf von Grund- und Regenwasser.
Abschnittsweise wurde nun wieder verfüllt und parallel das Gerüst aufgebaut. Nun wurde in Teilbereichen mit dem Abbruch begonnen. Der gesamte Dachstuhl mit Dämmung und Ziegeleindeckung, die Haustechnink, die Mauerwerkswände des Obergeschosses einschließlich aller Holz- und Gipskartonbekleidungen wurden demontiert.
Zusätzlich entfernten die Fachleute im Erdgeschoss Wände. Dadurch vergrößert sich die Wohnzimmerfläche und es entstand Platz für eine Bibliothek. Stahlträger fangen die Last ab.
Inzwischen war der Dezember bereits angebrochen und der optisch größte Einschnitt war noch für 2008 geplant: Das neue Obergeschoss sollte mit Holzständerwerk, Beplankung, Dach und Abdichtung dafür sorgen, dass das Gebäude winterfest wurde. Genaue Planung im Voraus und industrielle Vorfertigung der Wände waren Voraussetzungen für einen reibungslosen Ablauf. Eine Woche vor Weihnachten wurden die Holzelemente mit Sattelschlepper und Kran an das Grundstück in die Sackgasse gefahren. Die im Voraus geplante Baustelleneinrichtung, die Koordination durch das Planungsbüro Isernhagen sowie die handwerklich perfekte Ausführung des Zimmermanns ermöglichten, dass die Obergeschosswände innerhalb eines Tages gestellt und verdübelt werden konnten.
In wenigen Tagen war Dach und Beplankung mit einer Dachabdichtung fertiggestellt, so dass der Weihnachtsurlaub für alle gesichert war.
„In der Zwischenzeit haben wir weiter an der Optimierung des Bauablaufs gearbeitet und das Weiterkommen für 2009 vorbereitet“, berichten Dipl.-Ing. Bau Stefan Boltes und Dipl.-Ing. Arch. Sebastian Soeffky.
In der ersten Januarwoche bereiteten die Handwerker den Einbau der Fenster vor. Sämtliche Bestandsfenster waren beim Abbruch entfernt worden. Der Entwurf sah vor, dass sämtliche neu anzulegenden Fensterelemente über 2 m breit und ca. 2,40 hoch sein sollten. Erdgeschossfenster und Obergeschossfenster wurden exakt übereinander angeordnet. Das erforderte wiederum eine genaue Planung und Abstimmung zwischen den beiden Geschossen, um dem optischen Anspruch an den Bauhausstil zu entsprechen.
Im Erdgeschoss verbreiterten die Maurer sämtliche vorhandenen Öffnungen und erhöhten diese, um ein Maximum an solarem Wärmegewinn und Helligkeit herauszuholen.
Die Laibungen wurden so hergestellt, dass ein luftdichter Anschluss gemäß EnEV erfolgt. Das Glas der eingebauten Fenster hat einen U-Wert von 1,1.
Der Austausch der Haustür, die Erneuerung aller Heizkörper und der Einbau einer 16 cm dicken Dämmung mit WLG 035 komplettieren die energetischen Maßnahmen.
Zusammen mit einer entsprechenden Dachdämmung wird nach Fertigstellung des Gebäudes ein Primärenergiebedarf von ca. 60 kwh/m²a erreicht (Bedarf vor der Sanierung ca. 220 – 240 kWh/m²a).
Passend zum puristischen Design des Hauses wurden Raff-storen an sämtlichen Fenstern montiert. Über die 35 m² Dach-Südterrasse konstruierte das Planungsbüro Isernhagen einen 40 x 40 cm großen Rahmen aus Holz analog zur Optik der Fassade. Er vervollständigt den Kubus des Hauses in seinen Außenkanten. Über den Fensterstürzen wurden die Raffstoren angeordnet und mit spezieller Dämmung auf der Rückseite (WLG 013) aus der Raumfahrttechnik versehen. So wird auch hier der erforderliche U-Wert erreicht und Wärmebrücken werden verhindert.
Der in zwei Ebenen umlaufende Dachrand erhielt eine Abdeckung aus vorbewitterten Zinkblechen, die die Gebäuderänder sauber, langlebig und optisch einwandfrei abschließen.
Die vollständige Entkernung des Innenbereiches, der Einbau einer Fußbodenheizung sowie Estrich- und Putzarbeiten wurden in den vergangenen Wochen abgeschlossen. Die Arbeiten im Innenbereich mit Heizungsinstallation, Küchen-, Bad- und Treppenplanung sowie Elektroinstallation wurden von verschiedenen Betrieben in der kälteren Jahreszeit durchgeführt, so dass sich der Zeitplan nicht verzögerte.
Die Koordination der Gewerke und die Zusammenführung der Schnittstellen erlaubten einen umgehenden Beginn der Wärmedämmverbundsystemarbeiten, sobald die Außentemperaturen über 5 °C angestiegen waren.
Parallel erledigten Handwerker weitere Innenarbeiten, wie Malerarbeiten, die Verlegung von hochwertigem Parkett, der Einbau von Innentürschiebeelementen und Küche.
Ende April konnten die Bauherren einziehen. Restarbeiten und Mängelbeseitigungen laufen zurzeit.
Weitere Außenarbeiten sind direkt im Anschluss für den Garten geplant, dazu gehören eine Regenwassernutzungsanlage und die Neugestaltung des Gartens.
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