
Wintergarten
Vom Wintergarten zur grünen Oase
Wie Sie Ihren Wintergarten in ein blühendes Paradies verwandeln verrät Experte Wolfgang Kawollek.
Blumen, Pflanzen oder Bäumchen? Kübel oder Beet? Welche Temperatur? Und was ist mit der Luftfeuchtigkeit? Fragen über Fragen, die beantwortet werden wollen, wenn man Pflanzen im Wintergarten haben möchte. Wir haben den Fachmann Wolfgang Kawollek gebeten, Ihnen einige Tipps für die Begrünung zu geben.
Wolfgang Kawollek ist Technischer Leiter der Botanischen Lehr- und Versuchsanlagen des Fachbereichs Naturwissenschaften an der Universität Kassel. Außerdem ist er Autor zahlreicher Bücher, z.B. "Pflanzen für Wintergärten", "Kübelpflanzen", "Das Ulmer Gartenbuch", "Das praktische Bonsai-Buch", "Pflanzenvermehrung", "Bibelpflanzen".
Ein "grüner" Wintergarten, vielleicht sogar mit Zitronen- und Orangenbäumchen, ist der Traum vieler Hausbesitzer. Eignet sich grundsätzlich jeder gläserne Anbau für eine Begrünung?
Wolfgang Kawollek: Vom Grundsatz her ja, doch gibt es seit einigen Jahren mit den für Wintergärten verwendeten Glasarten teilweise Probleme. Die Notwendigkeit Energie zu sparen und die entsprechend angepasste Wärmeschutzverordnungen brachten die Entwicklung hocheffizienter, wärmedämmender Gläser mit sich. Die Mehrzahl dieser Gläser reduziert den Strahlungsdurchgang. Was für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar ist, macht sich für die Pflanze deutlich bemerkbar, die Photosynthese und damit das Wachstum wird stark beeinträchtigt. Hausbesitzer, die erst an den Bau eines Wintergartens denken, sollten hinsichtlich der Bedachung auf pflanzenfreundliche Gläser bestehen und nicht auf die letzte Ausreizung der Wärmeeinsparung.
Ein weiteres Problem ist ein zu geringer Luftwechsel. Ein ausreichender Luftwechsel ist um ein Überhitzen, zu hohe Luftfeuchtigkeit und die Bildung von Kondenswasser zu vermeiden sehr wichtig.
Gibt es bestimmte Voraussetzung, wenn man seinen Wintergarten begrünen möchte?
W.K.: Die meisten Wintergärten geraten zu klein. Je größer das Volumen und die Höhe des Wintergartens ist, umso angenehmer ist das Klima darin, da es weniger starken Schwankungen unterworfen ist. Auch Pflanzen fühlen sich umso wohler, je luftiger sie stehen. Wer einen geschlossenen grünen Rahmen in seinem Wintergarten wünscht, sollte mit nicht weniger als 25 Quadratmeter kalkulieren. Sollen die Pflanzen in Grundbeete ausgepflanzt werden, ist mit mindestens 35 Quadratmetern zu rechnen.
Welche Begrünungsmöglichkeiten gibt es?
W.K.: Hinsichtlich des Begrünungssystems hat man die Wahl zwischen der Kultur in Gefäßen (Töpfen, Kübeln) und der Kultur der Pflanzen auf Beeten, darüber hinaus zwischen Erd- und Hydrokultur. In der Mehrzahl bestehender Wintergärten ist die Kultur in Gefäßen vorherrschend, doch gewinnt die Kultur auf Beeten vor allen in größeren Wintergärten immer mehr an Bedeutung. Beide Möglichkeiten haben ihre Vorteile. Pflanzbeete sind insbesondere aus gestalterischen Gesichtspunkten interessant, da auf ihnen ein Vegetationsbild nachgestaltet werden kann. Die Begrünung wirkt natürlicher als die in Einzelgefäßen. Auch die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen ist einfacher zu gestalten. Die Vorteile einer Begrünung in Gefäßen liegen in der Flexibilität, weil sie leicht veränderbar ist. Fehler bei der Pflanzenzusammenstellung lassen sich leichter beheben, durch Umgruppieren oder auch durch Entfernung nicht passender oder nicht mehr passender Pflanzen. Auch aus Sicht des Pflanzenschutzes ist die Begrünung in Gefäßen von Vorteil, weil in Pflanzbeeten bei einem Krankheitsbefall sehr schnell die gesamte Pflanzung betroffen sein kann. Dies gilt insbesondere bei Pilzerkrankungen, die vom Boden ausgehen.
Wie sollte man vorgehen, wenn man seinen Wintergarten begrünen möchte?
W.K.: An erster Stelle steht die Auswahl des Wintergartentyps. Welcher Wintergartentyp in Frage kommt, wird in der Regel durch die Nutzung durch den Menschen bestimmt. Soll der Wintergarten ganzjährig als Wohnraum, Arbeitszimmer oder Spielzimmer genutzt werden oder nur im Sommer? Soll im Winter wenig Energie zur Beheizung eingesetzt werden oder soll der Wintergarten nur als Wärmeschleuse dienen? Sollen bestimmte Pflanzengruppe die Grundlage für die Auswahl sein, dann bestimmen die natürlichen Standortbedingungen der gewünschten Pflanzen, die Temperaturführung bzw. den Wintergartentyp. Wintergärten, die ausschließlich der Kultivierung bzw. Überwinterung von Pflanzen dienen, sind heute eher selten.
Welche Pflanzen eignen sich besonders für die Zucht im Wintergarten?
W.K.: Die Frage ist so nicht zu beantworten. Welche Pflanzen sich letztendlich eignen, ist vom Wintergartentyp, der Himmelausrichtung des Wintergartens, damit des Lichtangebots, und nicht zuletzt vom Verhältnis des Wintergartenbesitzers zu Pflanzenabhängig. Das Sortiment an Wintergartenpflanzen umfasst holzige Pflanzenarten, darunter Sträucher wie auch Bäume, Lianen (Kletter- und Schlingpflanzen), mehrjährige Kräuter (Stauden, Zwiebel- und Knollengewächse), Palmen, einige mehrjährige Gräser (Bambus), aber auch Farne, Kakteen und andere Sukkulenten. Auf die genannten Gruppen bezogen sind Kakteen und die vielen anderen Sukkulenten wenig anspruchsvoll, soweit der Lichtbedarf erfüllt wird, ihnen folgt die Gruppe der Palmen. Hohe Ansprüche und höheren Pflegeaufwand haben Farne und mehrjährige Kräuter. Bei den Gehölzen, die die stärkste Gruppe unter den Wintergartenpflanzen ausmacht, gibt es solche und solche. Bei Gummibäumen sind die Ansprüche im Allgemeinen gering, während beispielsweise die "echten" Akazien äußerst anspruchsvoll sind.
Raumgestaltung mit Pflanzen – wie kann man das im Wintergarten umsetzen?
W.K.: Die Begrünung eines Wintergartens sollte mehr sein als ein paar eilig zusammengestellte Pflanzen. Die Einheit zwischen den Menschen, der Pflanze und der Architektur des Wintergartens herzustellen, ist das Ziel aller gestalterischen Überlegungen. Der Standort der Pflanzen innerhalb des Wintergartens, gegebenenfalls die Gefäßauswahl, die Bodenmodulation und Nutzung des Raumes bilden die Eckpfeiler des gestalterischen Konzeptes.
Wie sieht für Sie ein "schöner" grüner Wintergarten aus?
W.K.: Wintergärten sollen das Gefühl der Geborgenheit vermitteln und einladend wirken. Es geht darum, harmonische und schöne, aber auch interessante und anregende Lebensräume zu schaffen, worin sich die Bewohner wohlfühlen. Die Ausmaße von Wintergärten sind naturgemäß meist klein und eng, doch braucht dies keineswegs immer so empfunden zu werden. Weite und Tiefe erreicht man am besten durch Einbindung des Wintergartens in seine Umgebung, in dem der Blick nach draußen, in den Garten oder die Landschaft offen gelassen wird und nicht unnötig mit hohen und dichten Pflanzen verstellt wird. Weite und Tiefe erreicht man auch über verbindende Elemente. Verbindende Elemente sind beispielsweise gleichartige Steine drinnen und draußen oder die Weiterführung von Strukturen, einer Mauern oder eines Weges, der optisch aus den Wintergarten hinaus in den Garten führt. Die Sitzflächen als bevorzugte Aufenthaltsorte sollen deshalb das Gefühl von Geborgenheit bieten, gleichzeitig aber den Blick in die Weite gewähren.
Wolfgang Kawollek ist Technischer Leiter der Botanischen Lehr- und Versuchsanlagen des Fachbereichs Naturwissenschaften an der Universität Kassel. Außerdem ist er Autor zahlreicher Bücher, z.B. "Pflanzen für Wintergärten", "Kübelpflanzen", "Das Ulmer Gartenbuch", "Das praktische Bonsai-Buch", "Pflanzenvermehrung", "Bibelpflanzen".
Ein "grüner" Wintergarten, vielleicht sogar mit Zitronen- und Orangenbäumchen, ist der Traum vieler Hausbesitzer. Eignet sich grundsätzlich jeder gläserne Anbau für eine Begrünung?
Wolfgang Kawollek: Vom Grundsatz her ja, doch gibt es seit einigen Jahren mit den für Wintergärten verwendeten Glasarten teilweise Probleme. Die Notwendigkeit Energie zu sparen und die entsprechend angepasste Wärmeschutzverordnungen brachten die Entwicklung hocheffizienter, wärmedämmender Gläser mit sich. Die Mehrzahl dieser Gläser reduziert den Strahlungsdurchgang. Was für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar ist, macht sich für die Pflanze deutlich bemerkbar, die Photosynthese und damit das Wachstum wird stark beeinträchtigt. Hausbesitzer, die erst an den Bau eines Wintergartens denken, sollten hinsichtlich der Bedachung auf pflanzenfreundliche Gläser bestehen und nicht auf die letzte Ausreizung der Wärmeeinsparung.
Ein weiteres Problem ist ein zu geringer Luftwechsel. Ein ausreichender Luftwechsel ist um ein Überhitzen, zu hohe Luftfeuchtigkeit und die Bildung von Kondenswasser zu vermeiden sehr wichtig.
Gibt es bestimmte Voraussetzung, wenn man seinen Wintergarten begrünen möchte?
W.K.: Die meisten Wintergärten geraten zu klein. Je größer das Volumen und die Höhe des Wintergartens ist, umso angenehmer ist das Klima darin, da es weniger starken Schwankungen unterworfen ist. Auch Pflanzen fühlen sich umso wohler, je luftiger sie stehen. Wer einen geschlossenen grünen Rahmen in seinem Wintergarten wünscht, sollte mit nicht weniger als 25 Quadratmeter kalkulieren. Sollen die Pflanzen in Grundbeete ausgepflanzt werden, ist mit mindestens 35 Quadratmetern zu rechnen.
Welche Begrünungsmöglichkeiten gibt es?
W.K.: Hinsichtlich des Begrünungssystems hat man die Wahl zwischen der Kultur in Gefäßen (Töpfen, Kübeln) und der Kultur der Pflanzen auf Beeten, darüber hinaus zwischen Erd- und Hydrokultur. In der Mehrzahl bestehender Wintergärten ist die Kultur in Gefäßen vorherrschend, doch gewinnt die Kultur auf Beeten vor allen in größeren Wintergärten immer mehr an Bedeutung. Beide Möglichkeiten haben ihre Vorteile. Pflanzbeete sind insbesondere aus gestalterischen Gesichtspunkten interessant, da auf ihnen ein Vegetationsbild nachgestaltet werden kann. Die Begrünung wirkt natürlicher als die in Einzelgefäßen. Auch die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen ist einfacher zu gestalten. Die Vorteile einer Begrünung in Gefäßen liegen in der Flexibilität, weil sie leicht veränderbar ist. Fehler bei der Pflanzenzusammenstellung lassen sich leichter beheben, durch Umgruppieren oder auch durch Entfernung nicht passender oder nicht mehr passender Pflanzen. Auch aus Sicht des Pflanzenschutzes ist die Begrünung in Gefäßen von Vorteil, weil in Pflanzbeeten bei einem Krankheitsbefall sehr schnell die gesamte Pflanzung betroffen sein kann. Dies gilt insbesondere bei Pilzerkrankungen, die vom Boden ausgehen.
Wie sollte man vorgehen, wenn man seinen Wintergarten begrünen möchte?
W.K.: An erster Stelle steht die Auswahl des Wintergartentyps. Welcher Wintergartentyp in Frage kommt, wird in der Regel durch die Nutzung durch den Menschen bestimmt. Soll der Wintergarten ganzjährig als Wohnraum, Arbeitszimmer oder Spielzimmer genutzt werden oder nur im Sommer? Soll im Winter wenig Energie zur Beheizung eingesetzt werden oder soll der Wintergarten nur als Wärmeschleuse dienen? Sollen bestimmte Pflanzengruppe die Grundlage für die Auswahl sein, dann bestimmen die natürlichen Standortbedingungen der gewünschten Pflanzen, die Temperaturführung bzw. den Wintergartentyp. Wintergärten, die ausschließlich der Kultivierung bzw. Überwinterung von Pflanzen dienen, sind heute eher selten.
Welche Pflanzen eignen sich besonders für die Zucht im Wintergarten?
W.K.: Die Frage ist so nicht zu beantworten. Welche Pflanzen sich letztendlich eignen, ist vom Wintergartentyp, der Himmelausrichtung des Wintergartens, damit des Lichtangebots, und nicht zuletzt vom Verhältnis des Wintergartenbesitzers zu Pflanzenabhängig. Das Sortiment an Wintergartenpflanzen umfasst holzige Pflanzenarten, darunter Sträucher wie auch Bäume, Lianen (Kletter- und Schlingpflanzen), mehrjährige Kräuter (Stauden, Zwiebel- und Knollengewächse), Palmen, einige mehrjährige Gräser (Bambus), aber auch Farne, Kakteen und andere Sukkulenten. Auf die genannten Gruppen bezogen sind Kakteen und die vielen anderen Sukkulenten wenig anspruchsvoll, soweit der Lichtbedarf erfüllt wird, ihnen folgt die Gruppe der Palmen. Hohe Ansprüche und höheren Pflegeaufwand haben Farne und mehrjährige Kräuter. Bei den Gehölzen, die die stärkste Gruppe unter den Wintergartenpflanzen ausmacht, gibt es solche und solche. Bei Gummibäumen sind die Ansprüche im Allgemeinen gering, während beispielsweise die "echten" Akazien äußerst anspruchsvoll sind.
Raumgestaltung mit Pflanzen – wie kann man das im Wintergarten umsetzen?
W.K.: Die Begrünung eines Wintergartens sollte mehr sein als ein paar eilig zusammengestellte Pflanzen. Die Einheit zwischen den Menschen, der Pflanze und der Architektur des Wintergartens herzustellen, ist das Ziel aller gestalterischen Überlegungen. Der Standort der Pflanzen innerhalb des Wintergartens, gegebenenfalls die Gefäßauswahl, die Bodenmodulation und Nutzung des Raumes bilden die Eckpfeiler des gestalterischen Konzeptes.
Wie sieht für Sie ein "schöner" grüner Wintergarten aus?
W.K.: Wintergärten sollen das Gefühl der Geborgenheit vermitteln und einladend wirken. Es geht darum, harmonische und schöne, aber auch interessante und anregende Lebensräume zu schaffen, worin sich die Bewohner wohlfühlen. Die Ausmaße von Wintergärten sind naturgemäß meist klein und eng, doch braucht dies keineswegs immer so empfunden zu werden. Weite und Tiefe erreicht man am besten durch Einbindung des Wintergartens in seine Umgebung, in dem der Blick nach draußen, in den Garten oder die Landschaft offen gelassen wird und nicht unnötig mit hohen und dichten Pflanzen verstellt wird. Weite und Tiefe erreicht man auch über verbindende Elemente. Verbindende Elemente sind beispielsweise gleichartige Steine drinnen und draußen oder die Weiterführung von Strukturen, einer Mauern oder eines Weges, der optisch aus den Wintergarten hinaus in den Garten führt. Die Sitzflächen als bevorzugte Aufenthaltsorte sollen deshalb das Gefühl von Geborgenheit bieten, gleichzeitig aber den Blick in die Weite gewähren.
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